Pflanzen-Extrakte gegen Erkältungen

Halsschmerzen, Schnupfen, Husten: Erkältungen werden in erster Linie nicht durch Kälte, sondern typischerweise durch Viren ausgelöst. Meistens sind Erkältungskrankheiten banal, verlaufen ohne größere Komplikationen und heilen von selbst wieder. Nur wenn zur Virusinfektion eine Infektion durch Bakterien hinzukommt und sich die Erkältung dadurch deutlich verschlimmert, sind Antibiotika sinnvoll. Diese helfen nämlich nur gegen Bakterien und nicht gegen Viren. Antibiotika sollten, wenn nicht wirklich nötig, zurückhaltend eingesetzt werden. Der Grund: Bei häufigem Gebrauch entwickelt der Körper Resistenzen gegen die entsprechenden Medikamente, die dann nicht mehr richtig wirken.

Linderung der Beschwerden, Verkürzung der Krankheitsdauer

Rasche Linderung bei unkomplizierten Erkältungen bzw. Atemwegsinfektionen gibt es aus der Apotheke der Natur: So ist wissenschaftlich bewiesen, dass hier eine ganze Palette von Pflanzen und pflanzlichen Extrakten Linderung bringen kann. Es gibt sie zum Beispiel in Form von Tee, als Dragee, Pastille, Einreibung oder Hustensaft. Geeignete Pflanzenextrakte können die Intensität und die Dauer der Beschwerden günstig beeinflussen, die immunologische Abwehr stärken und die Besiedlung der Schleimhäute mit Keimen vermindern, wie die Fachzeitschrift MMW – Fortschritte der Medizin berichtet.

Gegen Viren wirken u.a. Extrakte aus Thymiankraut, Anis, Meerrettichwurzel, Kapuzinerkresse, Myrtol, Cineol und Pfefferminzöl. Gegen Bakterien können Ampferkraut, Pelargoniumwurzel, Meerrettichwurzel, Kapuzinerkresse und die meisten ätherischen Öle helfen. Zur Stimulierung des Immunsystems dienen Extrakte aus Echinacea (Sonnenhut), Eibischwurzel, Kamillenblüten oder Eisenkraut.

Die Linderung der Beschwerden dürfte laut MMW vor allem auf eine Verbesserung der Nasenatmung (ätherische Öle), entzündungshemmende Effekte (Extrakte aus Kamillenblüten, Primel, Scharfgarbenkraut), die Erweiterung der Bronchien (Thymiankraut, Efeublätter, Anis-, Eukalyptus-, Pfefferminz-Öl) und schleimlösende Effekte (Enzianwurzel, Thymiankraut, Primel, viele ätherische Öle) zurückzuführen sein.

Bei Schnupfen ätherische Öle

Während bei Halsschmerzen Salbeibonbons gelutscht oder mit Salbeitee gegurgelt werden kann, profitieren verschnupfte Nasen von ätherischen Ölen. Denn diese verbessern die Nasenatmung. Insbesondere die Wirkstoffe Menthol und Cineol (aus Pfefferminzöl bzw. Eukalyptusöl) empfinden Schnupfengeplagte als kühlend und nasenerweiternd. Man kann das Öl mit Wasserdampf inhalieren (4 bis 8 Tropfen auf 1 Liter Wasser), daneben gibt es die Öl-Inhaltsstoffe in Form von Fertigbalsam zum Inhalieren oder Einreiben, als Inhalierstifte, Nasensprays, Erkältungsbad und zum Einnehmen. Vorsicht bei Säuglingen und Kleinkindern: Bei ihnen dürfen ätherische Öle nicht im Gesicht aufgetragen oder inhaliert werden, da dies zu gefährlichen Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur führen kann.

Eukalyptus für die Nasennebenhöhlen

Sind zusätzlich zur Nasenschleimhaut auch die Nasennebenhöhlen entzündet, dann empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin zunächst pflanzliche Schleimlöser. Genannt werden Cineol, Myrtol (ein standardisiertes Mischdestillat aus Eukalyptusöl, Süßorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl) sowie Enzianwurzel-Extrakte. Cineol ist der Hauptbestandteil des Eukalyptusöls, Myrtol ein standardisiertes ätherisches Öl, die es beide auch in entsprechenden Fertigpräparaten gibt.

Efeu und Thymian helfen den Bronchien

Efeu-Extrakt verflüssigt den Bronchialschleim, erweitert die Bronchien und lindert gleichzeitig den Hustenreiz. Wissenschaftliche Studien bei Erwachsenen mit akuter Bronchitis zeigten eine günstige Wirkung von Hustensaft mit einer Kombination aus Efeu- und Thymianextrakt, ebenso von Tabletten, die Thymian- und Primelextrakt als Kombination enthielten. Selbst bei einer durch Bakterien verursachten (leichteren) Bronchitis sind bei ansonsten Gesunden nicht in allen Fällen Antibiotika notwendig, wie es in der Hustenleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie heißt. Pflanzliche Mittel können hier also unter Umständen ausreichend sein.

Spitzwegerich und Isländisch Moos als Hustenstiller

Trockener Erkältungshusten lässt sich mit diversen Sirups, Gurgellösungen, Lutschtabletten und Hustenbonbons besänftigen. Reizlindernd wirken dabei pflanzliche Schleimstoffe wie Spitzwegerich, Isländisch Moos und Eibisch. Als hustenstillend gelten darüber hinaus auch Extrakte aus Thymian, Sonnentau und Wollblumen.
Heilpflanzen oder pflanzliche Mittel eignen sich sehr gut zur Selbsttherapie. Dennoch: Wenn die Beschwerden spätestens nach einer Woche nicht verschwunden sind oder bereits früher deutlich zunehmen, sollte ein Arztbesuch stattfinden.

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