Gute Reise trotz Krankheit

Gute Reise trotz Krankheit

Auch chronisch kranke Menschen dürfen heutzutage in aller Regel verreisen. Und brauchen selbst auf fern gelegene oder exotische Ziele nicht unbedingt zu verzichten. Allerdings gilt es einiges zu beachten, um vor etwaigen bösen Überraschungen geschützt zu sein.
Besonders, aber nicht nur für ferne Ziele gilt: Wer eine chronische Krankheit hat – etwa ein Herz-Kreislauf- oder Atemwegsleiden, Diabetes, Rheuma oder eine Immunschwäche – muss seine Reise viel gründlicher planen und organisieren als ein Gesunder. Dazu gehört, sich frühzeitig von seinem betreuenden Arzt oder einem Reisemediziner beraten zu lassen und abzuklären, welche individuellen Gesundheitsrisiken je nach Reiseziel und Reiseart bestehen und wie mit diesen umzugehen ist.

Vor großer Tour zum Herz-Check-up

Gerade ältere Menschen leiden vielfach unter einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, etwa verengten Kranzgefäßen (koronare Herzkrankheit) oder Herzrhythmusstörungen. Solche Patienten sollten sich vier bis sechs Wochen vor ihrer Reise mit ihrem Hausarzt oder Kardiologen besprechen und bei Bedarf untersuchen lassen. So erfahren sie, was sie sich auf ihrer Reise zumuten können und was nicht. Wer ohne Beschwerden wie Luftnot, Brustenge oder Herzrasen 50 Meter laufen und beschwerdefrei zwölf Treppenstufen steigen kann, ist in aller Regel auch flug- und reisetauglich. Meiden sollten Herzpatienten jedoch extreme klimatische Bedingungen wie große Hitze oder große Kälte (etwa Wüsten- oder Grönlandexpeditionen). Vorsicht ist ebenso bei Touren in Höhen über 2500 Meter angesagt, wenn diese mit körperlichen Belastungen verbunden sind. Wer trotz Herzkrankheit eine solche Tour plant, sollte vorher unbedingt zum Herz-Check-up, zu dem meist ein Belastungs-EKG gehört.

Mit kranken Atemwegen besser ans Meer

Menschen mit einer chronischen Atemwegserkrankung fahren in der Regel besser ans Meer als in die Berge. Dennoch können auch sie nach Rücksprache mit ihrem Arzt Flugreisen und nicht selten sogar Bergtouren unternehmen. Gegebenenfalls ist dabei ein tragbarer Sauerstoffgenerator mitzuführen, den es zu mieten gibt. Chronisch Lungenkranke sind auf Reisen stärker gefährdet, eine Atemwegsinfektion zu bekommen. Deshalb wird ihnen meist eine Pneumokokken- und eine Grippeschutzimpfung empfohlen. Asthmapatienten können prinzipiell zwar überall hin reisen, je nach Reiseziel kann bei ihnen jedoch eine intensivere medikamentöse Therapie nötig sein. Wer eine chronische Atemwegserkrankung hat, sollte es zudem vermeiden, Städte und Regionen mit viel Smog bzw. hoher Schadstoffbelastung der Luft zu besuchen.

Blutzucker sollte stabil sein

Für Diabetiker sind Urlaube in gemäßigten Klimazonen am besten geeignet. Dennoch können auch sie in andere Klimazonen wie etwa die Tropen reisen, wenn sie gut im Umgang mit ihrer Krankheit geschult sind und ihr Blutzucker stabil eingestellt ist. Bei Flugreisen ist es für Menschen mit Diabetes wichtig, immer eine ärztliche Bescheinigung idealerweise in englischer Sprache darüber mitzuführen, dass sie aus medizinischen Gründen in der Kabine auf die Benutzung von Blutzuckerteststreifen, Spritzen, Pens und Insulin angewiesen sind. Insulin ist gekühlt (bei etwa 2 bis 8° Celsius) und lichtgeschützt aufzubewahren. Es darf nicht gefrieren, da es dadurch unwirksam wird. Ebenso verliert es bei zu großer Hitze seine Wirksamkeit. Trotzdem sind auch längere Wanderungen bei sommerlichen Temperaturen möglich, wenn das Insulin durch mitgenommene
Cool Packs vor Erwärmung geschützt ist.
Eine Anpassung der Insulindosis kann notwendig werden, wenn mit dem Flugzeug mehrere Zeitzonen durchquert werden: Bei Flügen nach Westen verlängert sich der Tag, was eine zusätzliche Nahrungsaufnahme und eine höhere Insulindosis erforderlich machen kann – bei Flügen in östlicher ist es umgekehrt. Die individuell nötige Anpassung sollte man mit seinem Diabetologen besprechen.

Bei Immunschwäche: Impfungen besonders wichtig

Wer unter einer Immunschwäche leidet – etwa weil er wegen Rheuma, einer Krebserkrankung oder nach einer Organtransplantation immunsuppressive Medikamente erhält – ist auf Reisen vor allem durch Infektionskrankheiten gefährdet. Für diese Menschen sind Schutzimpfungen ganz besonders wichtig. Bei deutlich geschwächtem Abwehrsystem bieten allerdings auch sie nicht den erwünschten Schutz, weshalb dann von Reisen in Risikogebiete abgeraten wird: Dazu zählen feuchtwarme Tropen, Regionen mit schlechten hygienischen Bedingungen oder abgelegene Gebiete mit unzureichender medizinischer Versorgung. Auf alle Fälle sollten Immunschwache gegen Grippe, Pneumokokken, Meningokokken und Hepatitis B geimpft sein.

Auslandsreise-Krankenversicherung schützt vor finanziellen Risiken

Um sich auf Auslandsreisen vor dem finanziellen Risiko unvorhergesehener medizinischer Behandlungen zu schützen – etwa wenn sich eine chronische Krankheit plötzlich und unerwartet verschlechtert – ist es sinnvoll, eine private Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschließen. Zur Vorsorge für den Behandlungs-Ernstfall im Ausland gehört zudem, ein Dokument in Englisch oder der Landessprache dabei zu haben, das über die wesentlichen Daten der individuellen Vorerkrankung, benötigte Medikamente und Dosierungen sowie eventuelle Unverträglichkeiten informiert.
Immer mehr Reiseveranstalter bieten auch ärztlich begleitete Reisen an. Dabei werden kleinere akute medizinische Probleme vom mitreisenden Mediziner selbst versorgt, bei ernsteren Erkrankungen leitet dieser erste Hilfe ein und begleitet den Transport in eine Praxis oder Klinik am Urlaubsort.

Eine Liste mit auf Reisemedizin spezialisierten ärztlichen Beratungsstellen ist auf der Website des Centrums für Reisemedizin abrufbar.