Achtung Zecken!

Achtung Zecken!

Raus in die Natur – wenn es mit dem Mai in Richtung Sommer geht, hat man dazu wieder besonders viel Lust. Bei Wandern, Joggen oder Campen in Wald und Wiesen sollte jedoch auch an einen möglichen gesundheitlichen Störfaktor gedacht werden: Zecken. Die kleinen Blut saugenden Spinnentiere sind in hohem Gras, in Büschen, Hecken und Wäldern zuhause – und sie können Krankheitserreger übertragen. Die möglichen Folgen heißen Lyme-Borelliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis. Zwar ist bei weitem nicht jeder Zeckenstich infektiös. Kommt es aber zur Infektion, kann diese in einigen Fällen schwere und jahrelange Beschwerden nach sich ziehen. Vor Zecken sollte man sich deshalb nach Möglichkeit schützen – und erste Symptome eines infektiösen Stichs kennen.

Häufigste Infektion: Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist die am häufigsten durch Zecken vermittelte Krankheit. Bei ihren Erregern handelt es sich um Bakterien aus der Gruppe der Borrelien. Infektionsgefahr besteht weltweit und in allen Regionen Deutschlands. Schätzungsweise bis zu jede dritte Zecke transportiert die infektiöse Fracht. Allerdings schätzen Experten, dass kaum mehr als ein Prozent aller Gestochenen an einer Borreliose erkrankt – in Deutschland könnten das trotzdem mehr als 50.000 Menschen im Jahr sein.

„Wanderröte“ an der Einstichstelle

Typischerweise – aber nicht immer – bildet sich an der Stelle des Zeckenstichs nach Tagen bis Wochen eine ringförmige Rötung, deren Durchmesser auf mehrere Zentimeter zunimmt („Wanderröte“ oder Erythema migrans). In diesem Fall sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen, der bei Verdacht auf Borreliose ein Antibiotikum verschreibt. Doch auch grippeähnliche Beschwerden innerhalb von sechs Wochen können ein Hinweis auf eine Borreliose-Infektion sein. In einigen Fällen kann es im weiteren Verlauf zu Nervenschmerzen, Lähmungen oder einer Hirnhautentzündung kommen, nach Monaten oder gar Jahren auch noch zur sogenannten Lyme-Arthritis, einer schmerzhaften Gelenkentzündung. Durch eine Behandlung in der Frühphase der Infektion lassen sich Spätfolgen meist verhindern.

Bei Entdeckung gleich entfernen

Prinzipiell können Zecken überall am Körper zustechen. Besonders gern tun sie dies jedoch in normalerweise geschützten Körperbereichen wie etwa der Kniekehle, der Ellenbeuge, der Genitalregion, aber auch an Hals und Kopf. Dabei krabbeln sie oft stundenlang umher, bis sie ihre Einstichstelle gefunden haben, um sich danach mit Blut vollzusaugen. Je länger sie saugen, desto größer wird auch das Infektionsrisiko (in den ersten Stunden ist es kaum vorhanden). Deshalb sollten Zecken – sobald sie entdeckt werden – vorsichtig entfernt werden. Am besten geht das mit einer Pinzette (es gibt sogar spezielle Zecken-Pinzetten), zur Not auch mit den Fingernägeln: Die Zecke dabei nahe der Hautoberfläche greifen und langsam aus der Haut herausziehen (darauf achten, dass der Zeckenkörper nicht gequetscht wird!), anschließend die Wunde desinfizieren.

Seltener: Frühsommer-Meningoenzephalitis

Eine weitere durch Zecken vermittelte Erkrankung ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Bei ihrem Erreger handelt es sich um ein Virus, das allerdings seltener als Borreliose-Bakterien auf den Menschen übertragen wird. Das Virus ist nur in bestimmten FSME-Risikogebieten verbreitet (vor allem in Süddeutschland, ebenso in Nordosteuropa). Eine Infektion nach Zeckenstich kann zunächst zu grippeähnlichen Symptomen führen, die meisten Infizierten bemerken jedoch erst einmal gar nichts. Nach etwa drei Wochen kommt es bei einem Teil von ihnen zu hohem Fieber und einem Übergreifen der Infektion auf Hirnhäute und Gehirn, manchmal auch das Rückenmark. Je nach Schwere der Infektion treten als Symptome dabei Kopf- und Nackenschmerzen, Übelkeit, Bewusstseinseintrübungen, Krampfanfälle oder Lähmungen auf. Zwar heilt die Erkrankung meist vollständig wieder aus, in einigen Fällen (insbesondere bei älteren Patienten) können jedoch chronische Nervenschäden zurückbleiben.

Impfung verhindert FSME

Eine ursächliche Therapie gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis gibt es nicht, dafür aber eine Impfung. Die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut empfiehlt sie Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben oder Urlaub machen und viel in der Natur unterwegs sind. Für den vollen, drei Jahre haltenden Impfschutz sind in der Regel drei Impfungen innerhalb eines Jahres notwendig, mit einer Schnellimpfung lässt sich ein vorläufiger Impfschutz aber bereits nach 14 Tagen erreichen. Meist wird die Impfung vom Hausarzt oder einem Reisemediziner vorgenommen.
So schützen Sie sich vor Zecken

  • Bei Aktivitäten in der Natur (Wald, hohes Gras) möglichst Kleidung tragen, die den Körper weitgehend bedeckt: feste Schuhe, lange Hosen, lange Ärmel, Hosenbeine in die Socken stecken. Helle Kleidung erleichtert das Auffinden von Zecken.
  • Insektenabwehrmittel (auf die Haut oder falls geeignet auf die Kleidung auftragen) bieten ebenfalls Schutz, der allerdings auf wenige Stunden begrenzt ist.
    Nach Aufenthalt im Freien – insbesondere auch bei Kindern – den Körper gründlich nach Zecken absuchen.