Schlaf-Apnoe: Krankmachende Atemaussetzer

Schlaf-Apnoe

Mitten im Schlaf setzt plötzlich die Atmung aus. Eben noch hatte der Schläfer laut geschnarcht, jetzt bleibt ihm zehn Sekunden, eine halbe Minute oder sogar länger die Luft weg. Es kommt zu Sauerstoffmangel, der Körper schaltet auf Alarm. Mit schnappendem Luftholen und rhythmischem Schnarchen kehrt die Atmung zurück. Immer wieder in der Nacht wiederholt sich das Ganze.

Trotz Nachtschlaf am Tag übermüdet

Typisch sind solche Atemstillstände während des Schlafs für Menschen, die unter einer Schlafapnoe leiden. Immerhin 2-4 % der Männer und etwa halb so viele Frauen sind Schätzungen zufolge davon betroffen. Ganz oft sind es Übergewichtige, überwiegend Schnarcher, und etwa ab dem 45. Lebensjahr tritt die Schlafapnoe zunehmend häufiger auf. Nur selten wachen die Patienten von den Atemaussetzern bewusst auf. In der Regel werden diese nur von ihren Partnern bemerkt.

Weil der normale Schlafrhythmus mit seinen erholsamen Tiefschlafphasen gestört ist, sind die Betroffenen am Tage stark übermüdet, fühlen sich kraftlos und nicken manchmal für Sekunden weg. Das kann Wohlbefinden und Lebensqualität massiv beeinträchtigen und z.B. im Straßenverkehr gefährlich werden. Auf Dauer steigt gleichzeitig das Risiko für verschiedene Krankheiten, insbesondere Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer Symptome einer Schlafapnoe hat, sollte deshalb ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ansprechpartner können z.B. Allgemeinmediziner, Internisten, HNO-, Lungen- oder Nervenfachärzte sein.

Erschlaffte Muskeln der oberen Atemwege

In den meisten Fällen entstehen die Atemaussetzer, weil die ringförmige Muskulatur um die oberen Atemwege herum im Schlaf erschlafft und in sich zusammenfällt. Das kann den Atemweg im Rachenbereich verengen und kurzfristig blockieren. Der Fachbegriff für diese häufigste Apnoe-Form lautet obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Eine seltenere Form ist die zentrale Schlafapnoe, deren Ursache in der Steuerzentrale der Atemmuskeln im Gehirn liegt.
Risikofaktoren für die obstruktive Schlafapnoe sind neben starkem Übergewicht auch Besonderheiten im Mund-, Nasen- und Rachenraum: etwa vergrößerte Mandeln (bei Kindern), Nasenpolypen, eine verkrümmte Nasenscheidewand oder eine Fehlstellung des Unterkiefers. Bekannt ist darüber hinaus, dass übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel eine Schlafapnoe begünstigen bzw. verstärken können. Ebenso kommt es bei Schlaf in Rückenlage häufiger zu Schnarchen und Atmungsstörungen, weil dabei die Zunge stärker in den Rachenraum zurückfällt.

Messungen zu Hause und im Schlaflabor

Bei Verdacht auf eine Schlafapnoe erhält der Patient nach ausführlicher ärztlicher Befragung oft zunächst ein Messgerät mit nach Hause. Damit lassen sich während des Schlafs Atmung, Puls, Sauerstoffsättigung des Bluts, das Schnarchen und die Körperlage registrieren. Werden dabei Auffälligkeiten festgestellt, wird zur weiteren Abklärung meist für ein bis zwei Nächte ein Aufenthalt im Schlaflabor empfohlen. Dort finden dann zusätzliche Untersuchungen u.a. der Hirnströme, der Augen, der Muskeln und des Herzens statt. Der sogenannte Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI = durchschnittliche Zahl der Atemaussetzer von mehr als 10 Sekunden Dauer pro Stunde) gibt an, wie schwer eine Schlafapnoe ist. Ein AHI von 5 bis 15 steht für eine leichte, ein AHI von mehr als 30 für eine schwere Schlafapnoe.

Linderung durch Abbau von Übergewicht

Bereits relativ einfache Maßnahmen bzw. eine Änderung des Lebensstils können helfen, die Symptome einer Schlafapnoe zumindest zu lindern. Dazu gehört an erster Stelle der Abbau eventuell bestehenden Übergewichts. Auch sollte versucht werden, abends auf Alkohol, Rauchen und die Einnahme von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln zu verzichten. Um Schnarchen und Atemaussetzer beim Schlaf in Rückenlage zu vermeiden bzw. in Seitenlage zu bleiben, nähen sich manche Menschen einen Tennisball hinten in den Schlafanzug. Manchmal helfen auch sogenannte Unterkiefer-Protrusions-Schienen, die nachts im Mund getragen werden, um eine Einengung des Rachenraums zu verhindern.

Sehr gut hilft eine Atemmaske

Die Behandlungsmöglichkeiten der Schlafapnoe sind vielfältig und richten sich nach Ursache und Ausmaß der Atemstörung. Bei obstruktiver Schlafapnoe von sehr vielen Ärzten empfohlen wird die CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure): Dabei tragen die Patienten während des Schlafs eine Atemmaske. Sie ist über einen Schlauch mit einem Gerät verbunden, das mit leichtem Überdruck kontinuierlich Luft in die Atemwege pumpt und so die oberen Atemwege offen hält. Eine solche Maske zu tragen ist gewöhnungsbedürftig. Konsequentes Tragen sorgt aber dafür, dass der Schlaf wieder erholsam wird und die Apnoe-Symptome zurückgehen oder gar verschwinden. Allerdings muss die Therapie dafür meist dauerhaft fortgeführt werden.
Um die Atmung bei einer Schlafapnoe zu erleichtern, können in bestimmten Fällen auch chirurgische Maßnahmen sinnvoll sein. Dazu gehören z.B. die Operation von vergrößerten Rachenmandeln, Nasenpolypen, einer verkrümmten Nasenscheidewand oder auch das Abtragen von weichem Gewebe am Gaumen. Patienten sollten sich ausführlich ärztlich beraten lassen, welche Therapie im Einzelfall für sie in Frage kommt.

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