Was beruhigt den „nervösen“ Magen?

nervoeser Magen

Schmerzen im Oberbauch, Druck- und Völlegefühl nach dem Essen, vorzeitiges Sättigungsgefühl, Appetitlosigkeit, Aufstoßen und Sodbrennen oder gar Übelkeit und Erbrechen: Sehr oft wird für diese Symptome keinerlei organische Ursache gefunden. Dann leiden betroffene Patienten meist unter einem Reizmagen, auch als „nervöser Magen“ oder mit dem Fachbegriff „funktionelle Dyspepsie“ bezeichnet.

Krankheit ohne organischen Befund

Über gelegentliche Verdauungsbeschwerden klagt in Deutschland etwa jeder Dritte. Von einem Reizmagen sprechen die Ärzte aber erst, wenn die dafür typischen Symptome über mehr als drei Monate angehalten haben und keine andere bzw. keine organische Erkrankung dafür verantwortlich zu machen ist. Davon ist in den Industrieländern immerhin mehr als jeder Zehnte betroffen. Dabei können die Beschwerden des Reizmagens überaus belastend sein und die Lebensqualität deutlich einschränken. Die Prognose ist dennoch prinzipiell gut: Oft hilft bereits eine Umstellung der Lebensgewohnheiten und die vorübergehende Einnahme von Medikamenten. Das Risiko, dass sich aus dem Reizmagen eine bösartige Magenerkrankung entwickelt, ist nicht erhöht.

Vielfältige Auslöser

Nicht genau geklärt ist, was genau die Ursachen für die funktionelle Dyspepsie sind. Zu den möglichen Auslöser zählen: Störungen der Magenmuskelbewegungen (etwa mit zu langsamer Magenentleerung), erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Magensäure, ungünstige Ernährungsgewohnheiten, erbliche Faktoren und psychische Belastungen. Die Symptome können einzeln oder nebeneinander auftreten. Des Öfteren treten sie auch gemeinsam mit anderen Beschwerden des Verdauungstrakts auf, etwa denen eines Reizdarmsyndroms (mit Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten und Blähungen) oder einer Refluxkrankheit (Sodbrennen durch Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre).

Ausschluss anderer Krankheiten

Für die eindeutige Diagnose eines Reizmagens ist es notwendig, dass der Arzt andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausschließt. Dazu sollte er den Patienten zunächst nicht nur ausführlich zu seinen Verdauungsbeschwerden, sondern auch zu seiner seelischen Situation befragen. Die Beurteilung der Symptome wird erleichtert, wenn der Patient sich bereits in einem Tagebuch seine Beschwerden notiert hat (wann, bei welchen Speisen, in welchem Zusammenhang?). Zu den ersten Untersuchungen beim Reizdarm gehören neben einer körperlichen Untersuchung in der Regel ein Blut- und Stuhltest sowie eine Ultraschalluntersuchung. Bei anhaltenden Beschwerden kommt eine Magenspiegelung in Betracht, um andere Magenerkrankungen auszuschließen.

Wichtig: Ernährung und Lebensstil

Oft lassen sich die Beschwerden bereits deutlich lindern oder gar beseitigen, wenn der Patient verstärkt auf seine Ernährung und seinen Lebensstil achtet. Die wichtigsten Empfehlungen:

• Nahrungsaufnahme auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilen
• Täglich frisches Obst, Gemüse und Salat essen, evtl. auf Blähendes (Kohl, Bohnen) verzichten
• Leichte statt fetter Speisen, Fleisch nur in Maßen, nicht zu scharf essen
• Zurückhaltung bei Alkohol und Kaffee, ansonsten reichlich trinken
• Stressabbau: regelmäßige Ruhepausen, ausreichend Schlaf und Entspannung (z.B. autogenes Training, Yoga)
• Regelmäßige körperliche Bewegung (stärkt auch die Verdauungsfunktionen)

Medikamente zur begleitenden Behandlung

Reichen Allgemeinmaßnahmen nicht aus, um den nervösen Magen zu beruhigen, dann wird der Arzt begleitend dazu Medikamente verschreiben. In der Regel hemmen diese Arzneimittel entweder die Säurebildung im Magen (sog. Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol oder H2-Antagonisten wie Ranitidin) oder sie beschleunigen die Magenentleerung (sog. Prokinetika wie Metoclopramid oder Domperidon). Prokinetika kommen vor allem in Frage, wenn weder Allgemeinmaßnahmen noch Säurehemmer ausreichend gewirkt haben und Druck- und Völlegefühl sowie Übelkeit und nicht-saures Aufstoßen als Symptome überwiegen.

Auch für pflanzliche Medikamente konnten günstige Wirkungen auf die funktionelle Dyspepsie nachgewiesen werden. Meist handelt es sich dabei um Kombinationspräparate, die krampflösende und beruhigende Pflanzen enthalten: etwa Bauernsenf, Enzian und Angelikawurzel zusammen mit Kamille, Kümmel und Melisse. In einigen Fällen kann es auch ratsam sein, eine psychotherapeutische Behandlung in Erwägung zu ziehen: wenn der Verdacht besteht, dass seelische Faktoren wie etwa dauerhafter Stress, zwischenmenschliche Konflikte oder Depressionen maßgebliche Verursacher der Reizmagen-Beschwerden sind.

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