Männer in den Wechseljahren

Männer in den Wechseljahren

Nicht nur Frauen, sondern auch Männer kommen in die Wechseljahre. Fachbegriffe dafür sind Klimakterium virile oder Andropause. Allerdings sind längst nicht alle Männer in gleichem Maße davon betroffen. Außerdem schwinden die Sexualhormone – anders als bei der Frau – beim Mann nur sehr langsam und kontinuierlich. Auch im hohen Alter produziert der männliche Körper noch Geschlechtshormone. Das stärkste von ihnen ist Testosteron.

Einigen macht das Hormondefizit zu schaffen

Im Rahmen des natürlichen Abbau- und Alterungsprozesses nimmt die Testosteronproduktion ab etwa 40 Jahren um ein bis zwei Prozent pro Jahr ab. Sehr viele Männer spüren davon erst mal gar nichts und fühlen sich auch über längere Zeit nicht beeinträchtigt. Andere jedoch bemerken Symptome wie nachlassende Libido, Erektionsstörungen, weniger Muskelmasse und dafür mehr Bauchfett sowie Antriebsschwäche, Leistungsknicks und depressive Verstimmungen. Dahinter muss aber nicht gleich ein behandlungsbedürftiger Testosteronmangel stecken. Psychische Beschwerden etwa können unabhängig vom Hormonhaushalt auch auf eine „Midlife-Crisis“ oder Berufsstress zurückzuführen sein.

Hitzewallungen und Nachtschweiß

Der Verdacht auf einen stärker ausgeprägten Hormonmangel erhärtet sich jedoch, wenn Männer auch über Hitzewallungen und Nachtschweiß klagen. Ein entsprechender Leidensdruck vorausgesetzt kann es dann sinnvoll sein, den Testosteronspiegel im Blut zu kontrollieren. Meist wird dazu ein Urologe bzw. Androloge aufgesucht. Liegt der Wert bei wiederholten Messungen deutlich unter der Norm, kommt eventuell eine Hormonersatztherapie in Frage. Zur Erläuterung: Ein Testosteronspiegel von mehr als 12 nmol/l (Nanomol pro Liter) gilt bei Männern als normal. Liegt er unter 8 nmol/l, sprechen Mediziner von Testosteronmangel (Hypogonadismus).

Hormonersatz kommt nur bei Leidensdruck in Frage

Ein relativer Testosteronmangel oder Hypogonadismus besteht bei schätzungsweise 15 bis 20 Prozent aller Männer in Deutschland. Allerdings hat davon nach Expertenmeinung wiederum höchstens ein Fünftel auch einen Leidensdruck, der eine Testosterontherapie überlegenswert macht. Längst nicht jeder Mann mit erniedrigtem Testosteronspiegel braucht also den Hormonersatz. Wichtig ist ebenfalls, die Risiken einer solchen Behandlung zu beachten. Hinderungsgründe sind vor allem ein bestehender oder vermuteter Prostatakrebs, aber auch gutartige Prostatavergrößerungen.

Gel oder Spritze

Empfiehlt der Arzt eine Behandlung mit Testosteron, dann erfolgt diese zunächst über drei Monate und wird nur fortgesetzt, wenn der Testosteronspiegel nachweislich ansteigt und gleichzeitig auch die Beschwerden abnehmen. Bewährt hat sich, das Testosteron als Gel oder (intramuskuläre) Spritze zu verabreichen. Das Gel trägt der Patient allmorgendlich selbst auf seinen Oberkörper auf, die Spritze erhält er etwa alle drei Monate von seinem Arzt. Von der Zunahme der Libido und Erektionsfähigkeit sollten sich die Patienten allerdings nicht übermäßig viel versprechen – die Testosterontherapie wird deshalb manchmal auch mit einem Medikament vom Typ Viagra kombiniert.

Männer können Wechseljahresbeschwerden vorbeugen

Sehr viel lässt sich auch selbst tun, um Beschwerden der männlichen Wechseljahre vorzubeugen. Dazu gehört vor allem ein gesunder Lebensstil: sich ausgewogen ernähren, Übergewicht abbauen, körperlich aktiv sein (Ausdauersport fördert die Testosteronproduktion), nicht rauchen. Ebenso empfehlenswert ist es, regelmäßig zum ärztlichen Gesundheits-Check zu gehen, um eventuelle gesundheitliche Beeinträchtigungen frühzeitig erkennen und behandeln zu lassen. So gehen zu hohe Blutdruck-, Blutzucker- oder Blutfettwerte mit Schädigungen der Blutgefäße einher und begünstigen damit auch Erektionsstörungen. Und während Depressionen den Testosteronspiegel negativ beeinflussen, helfen positive Gefühle und Entspannung, Wechseljahrsbeschwerden bei Männern wirksam gegenzusteuern.