Keuchhusten bei Erwachsenen: Wie sieht Ihr Impfschutz aus?

Keuchhusten

Keuchhusten ist längst nicht nur eine Kinderkrankheit. Vielmehr tritt sogar die überwiegende Zahl (rund 70 Prozent) der Keuchhustenfälle bei Erwachsenen auf. Nach Schätzungen sind hierzulande alljährlich etwa 110.000 Erwachsene davon betroffen. Seit 2013 ist die Erkrankung meldepflichtig. Jedoch ist nur etwa jeder 20. Erwachsene in Deutschland ausreichend gegen sie geimpft, wie eine Studie des Robert Koch-Instituts ergab.

Hochinfektiöser Erreger

Erreger des Keuchhustens (Fachbegriff: Pertussis) ist das stäbchenförmige Bakterium Bordetella pertussis. Es wird über Tröpfchen – durch Husten, Niesen oder Sprechen innerhalb eines Abstands bis zu ca. einem Meter – übertragen und ist hochinfektiös. Der Erreger heftet sich an die Schleimhäute der Atemwege und vermehrt sich dort. In der Folge kommt es zu einer lokalen Schädigung der Schleimhaut und zur Freisetzung von Giftstoffen, die zusätzlich lokal die Abwehrkräfte schwächen.

Erkrankung über Wochen bis Monate

Keuchhusten zieht sich in der Regel über mehrere Wochen bis Monate hin. Die typische Erstinfektion bei Kindern verläuft in drei Stadien. Zunächst treten meist grippeähnliche Symptome wie Schnupfen und Husten mit oder ohne Fieber auf. Nach ein bis zwei Wochen kommt es dann über vier bis sechs Wochen zu anfallsweisen, stakkatoähnlichen Hustenanfällen, oft mit herausgestreckter Zunge. Die Hustenattacken gehen vielfach mit Würgen und anschließendem Erbrechen einher und treten gehäuft nachts auf. Erst in der dritten Phase klingen die Symptome langsam ab. Häufige Komplikationen bei Kindern, vor allem im ersten Lebensjahr, sind Lungen- und Mittelohrentzündungen, manchmal auch eine Infektion der Hirnhaut.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft Pertussis oftmals als lang, über mehrere Wochen andauernder Husten ohne die typischen Hustenanfälle. Trotz des überwiegend milderen Verlaufs kann es aber zum Beispiel bei abwehrgeschwächten Personen ebenfalls zu Komplikationen wie Lungen- und Mittelohrentzündungen, Harninkontinenz oder auch Rippenbrüchen kommen.

Größte Gefahr: Ansteckung von Säuglingen

Das größte Problem ist jedoch, dass infizierte Erwachsene Säuglinge und Kleinkinder anstecken, bei denen kein ausreichender Impfschutz besteht. Denn für Säuglinge kann eine Keuchhusten-Infektion tödlich sein. In anderen Fällen besteht zum Beispiel auch das Risiko eines bleibenden Hirnschadens. Die erstmalige Impfung von Säuglingen gegen Pertussis (Grundimmunisierung, bestehend aus drei Einzelimpfungen im Abstand von einem Monat) ist allerdings erst ab Beginn des dritten Lebensmonats möglich. Säuglinge sind daher darauf angewiesen, dass die sie umgebenden Menschen gegen die Erkrankung geimpft sind, um nicht infiziert zu werden.

Mindestens einmalige Impfung im Erwachsenenalter

Um sich selbst, vor allem aber Säuglinge und Kleinkinder in der eigenen Umgebung wirksam vor Keuchhusten zu schützen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut deshalb Folgendes: Alle Erwachsenen sollten einmalig gegen Pertussis geimpft werden. Diese Impfung sollte bei der nächsten fälligen Td-Impfung (Tetanus-Diphtherie-Impfung) als sogenannte Tdap-Kombinationsimpfung verabreicht werden. Für Frauen mit Kinderwunsch, enge Haushaltskontaktpersonen und Betreuer vor der Geburt eines Kindes sowie für Beschäftigte in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen wird die Keuchhusten-Impfung von der STIKO alle zehn Jahre empfohlen. Der Impfschutz hält maximal zehn bis 20 Jahre. Derzeit wird auch geprüft, ob Auffrisch-Impfungen im Abstand von zehn Jahren für alle Erwachsenen zu empfehlen sind. Die Impfung (mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis) kann der Hausarzt vornehmen, die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Detailliertere Informationen zum Thema sind auf der Website des Robert Koch-Instituts abrufbar

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