Erste Hilfe nach dem Wespenstich

Erste hilfe nach dem Wespenstich

Sie „nerven“ bei der Kaffeetafel im Freien, der Grillparty oder im Biergarten: Wespen werden von süßen oder würzigen Nahrungsmittelgerüchen angezogen und haben im August und September ihre Hochsaison. Von Natur aus zwar weniger aggressiv als ihr Ruf, kann sie doch schon eine falsche Bewegung zum Stich provozieren. Er ist für die meisten Menschen schmerzhaft, letztlich aber harmlos. Anders sieht es für Insektengift-Allergiker aus, deren Zahl in Deutschland immerhin auf mehr als zwei Millionen geschätzt wird: Für sie bedeutet bereits ein einziger Stich einer Wespe oder Biene unter Umständen Lebensgefahr.

Am Stachel hängt das Gift

Verantwortlich für die körperlichen Reaktionen nach einem Stich durch Wespen oder Bienen ist das mit dem Stachel in die Wunde gedrückte Gift: Bei praktisch allen Gestochenen verursacht es plötzliches heftiges Brennen, im weiteren Verlauf rötet sich die betroffene Hautstelle, schwillt an und beginnt zu jucken. Nach einem Tag haben sich Rötung und Schwellung dann meist bereits deutlich zurückgebildet. Für alle Menschen gefährlich können Stiche im Mund- oder Rachenbereich gefährlich werden. Dasselbe gilt, wenn jemand gleichzeitig von vielen Wespen oder Bienen gestochen wird.

Einstichstelle sofort kühlen

Je schneller die Einstichstelle versorgt wird, desto milder sind die Folgen des Stiches. Im Falle eines Bienenstichs (hier verbleibt der Stachel in der Wunde) ist der Stachel vorsichtig zu entfernen, ohne die daran hängende Giftblase zu quetschen. Am besten geschieht dies durch seitliches Herauswischen mit dem Finger. Wespen ziehen ihren Stachel in der Regel selbst zurück.

Die Einstichstelle sollte sofort gekühlt werden, das lindert die Schmerzen und bremst die Verbreitung der Giftstoffe. Zur Kühlung eignen sich Cold-Packs, Eiswürfel, Kältespray, verdünnter Isopropyl-Alkohol oder kalte Umschläge mit Essigwasser (ein Teil Essig auf zwei Teile Wasser). Die Schwellung und den Juckreiz lindern in der Apotheke erhältliche Salben oder Gele mit Antihistaminika. Als Hausmittel kann auch eine frisch angeschnittene Zwiebel auf die Wunde gelegt werden.

Risikobereiche Mund und Rachen

Stiche im Mund- und Rachenraum können lebensbedrohliche Schwellungen verursachen. Ohne in Panik zu verfallen ist es dann wichtig, eine solche Stichstelle durch das Lutschen von Eiswürfeln zu kühlen und gleich einen Arzt zu rufen. Zusätzlich kann als Erstmaßnahme ein Beutel mit Eiswürfeln um den Hals gelegt werden.

Stich bei Insektengift-Allergie bedeutet Lebensgefahr!

Bis zu 3,5 Prozent der Allgemeinbevölkerung sind im Laufe ihres Lebens von einer starken allergischen (anaphylaktischen) Reaktion auf einen Bienen- oder Wespenstich betroffen. Sie tritt meist innerhalb von 10 bis 30 Minuten (manchmal auch noch später) nach dem Stich ein und ist lebensbedrohlich. Erste Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion sind häufig: Juckreiz an Handflächen und Fußsohlen, Schweißausbrüche, Atemnot, tränende Augen, großflächige Rötungen und Schwellungen der Haut, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen und Zittern. Im weiteren Verlauf kann es zu einem anaphylaktischen Schock mit Atem- und Kreislaufstillstand kommen. Sobald Verdacht auf eine schwere allergische Reaktion besteht, muss sofort der Notarzt gerufen werden!

Allergie-Notfallset plus ärztliche Hilfe

Wem seine Insektengiftallergie bereits bekannt ist, der sollte im Sommer immer ein Allergie-Notfallset bei sich tragen, das der Arzt verordnet hat. Es besteht üblicherweise aus einem (trinkbaren) Antihistaminikum und einem Kortisonpräparat, einer Adrenalin-Fertigspritze (zur Selbstinjektion in den Muskel) sowie bei zu erwartenden allergischen Atemwegsbeschwerden einem Adrenalin-Dosieraerosol zum Inhalieren. Der Einsatz des Notfall-Sets ist allerdings nur eine Erste-Hilfe-Maßnahme und kein Ersatz für ärztliche Hilfe – es muss also dennoch der Notarzt gerufen werden.

Erfolgreiche Vorsorge durch Hyposensibilisierung

Den meisten Patienten mit einer Bienen- oder Wespengiftallergie wird von ihrem Arzt eine sogenannte Hyposensibilisierungs-Behandlung empfohlen. Mit ihr lässt sich die Empfindlichkeit gegenüber dem jeweiligen Insektengift schrittweise reduzieren. Zunächst erfolgt eine ausführliche allergologische Testung und Bestimmung der spezifischen körpereigenen Antikörper gegen das Insektengift. Dann wird dieses dem Patienten in minimalen, im Laufe der Zeit langsam gesteigerten Dosen verabreicht, um sein Immunsystem daran zu „gewöhnen“.

Die Therapie ist mit einer Behandlungszeit von meist drei bis fünf Jahren nicht auf die Schnelle durchzuführen. Dafür hat sie eine hohe Erfolgsrate: Mehr als 90 Prozent der konsequent damit behandelten Patienten sind anschließend vor schweren allergischen Reaktionen auf einen Bienen- oder Wespenstich geschützt.

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