Dienstag, 1. Mai 2012

Pollenallergie: Vorsicht vor dem "Etagenwechsel"

Pollenallergie

Die meisten Menschen genießen es, sich milde Frühjahrsluft um die Nase wehen zu lassen. Für Pollenallergiker hingegen ist dies mitunter alles andere als ein Vergnügen. Denn für sie werden die besonders im Frühling und Sommer durch die Luft transportierten Pollen von Gräsern, Bäumen und Kräutern zur gesundheitlichen Belastung. Betroffene leiden unter Nies- und Juckreiz, laufender oder verstopfter Nase, entzündeten, tränenden Augen sowie manchmal bereits zu Anfang unter einem Reizgefühl in den Atemwegen und Husten. Oft kommt hinzu, dass sich Pollenallergiker schwach, müde und abgeschlagen fühlen. Dabei sollte man sich keinesfalls mit einer Pollenallergie abfinden, sondern frühzeitig mit ärztlicher Hilfe etwas dagegen tun. Das gilt gleichermaßen für Erwachsene wie für Kinder.

Ursache des Heuschnupfens – Mediziner sprechen von pollenbedingter allergischer Rhinitis – ist eine Überempfindlichkeit des Körpers gegenüber Eiweißbestandteilen in pflanzlichen Pollen. Bei wiederholtem Kontakt mit diesen für die allergische Reaktion verantwortlichen Substanzen (Allergenen) reagiert das sensibilisierte Immunsystem mit vermehrter Ausschüttung des Hormons Histamin, welches wiederum die Allergie-Symptome auslöst.

Chronischer Heuschnupfen erhöht Asthma-Risiko

Das Tückische: Auch wenn die allergischen Reaktionen anfänglich nur beim Kontakt mit einer bestimmten Pollenart auftreten, können sie sich im Laufe der Zeit auf andere Pollenarten und selbst Nahrungsmittel-Allergene ausweiten (Neusensibilisierung bzw. Kreuzallergie) sowie nach den oberen auch die unteren Atemwege betreffen. Tritt Letzteres ein, spricht man von einem „Etagenwechsel“, mit dem Risiko einer Asthma-Erkrankung.

Eine Pollenallergie sollte deshalb möglichst früh in einer auf Allergien spezialisierten Arztpraxis diagnostiziert und behandelt werden. Nach der Befragung des Patienten zum typischen Auftreten seiner Symptome lassen sich die dafür verantwortlichen Allergene meist mit einem Hauttest (Prick-Test) oder durch eine Blutuntersuchung identifizieren.

Die Behandlung der Pollenallergie steht prinzipiell auf drei Säulen:

  • 1. Vermeidung der Allergie-Auslöser,
  • 2. Therapie der Symptome mit Arzneimitteln und
  • 3. spezifischer Immuntherapie (Hyposensibilisierung) zur langfristigen Ausschaltung der allergischen Reaktion.

Vermeidung der Allergie-Auslöser

Das zum Beispiel können Sie tun, um den Kontakt mit Pollen möglichst gering zu halten:

  • Achten Sie auf die Pollenflugvorhersage (Radio, Internet) und halten Sie sich bei starker Pollenbelastung möglichst in geschlossenen Räumen auf.
  • Fahren Sie im Auto mit Klimaanlage statt mit geöffneten Fenstern.
  • Wechseln Sie die Kleidung, wenn Sie nach Hause kommen und waschen Sie die draußen getragene (pollenbelastete) Kleidung.
  • Putzen Sie Ihre Wohnung möglichst oft feucht und versehen Sie die Fenster ggf. mit Pollenschutzgittern.
  • Verbringen Sie Ihren Urlaub in pollenarmen Gegenden wie Küste oder Hochgebirge.

Medikamente

  • Mastzell-Stabilisatoren wie Chromoglicinsäure (als Nasenspray und Augentropfen) lindern lokale Symptome, wirken jedoch verzögert, weshalb mit ihrer Anwendung mindestens ein bis zwei Wochen vor der Pollensaison zu beginnen ist.
  • Antihistaminika (als Nasenspray, Augentropfen oder in Tablettenform) blockieren die reizende Wirkung des Histamins und damit die typischen Heuschnupfen-Symptome. Allerdings wirken einige dieser Präparate ermüdend und können die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen.
  • Kortisonpräparate vermindern allergiebedingte Entzündungsvorgänge und kommen bei Pollenallergikern insbesondere als Nasenspray oder -tropfen zum Einsatz, nicht selten in Kombination mit Antihistaminika. Kortison in Form eines Inhalationsmedikaments stellt bei Beschwerden in den unteren Atemwegen die wesentliche Komponente der Therapie dar.

Spezifische Immuntherapie

Die besten Chancen auf eine langfristige Besserung der Beschwerden bis hin zur dauerhaften Beschwerdefreiheit bietet Pollenallergikern die spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt: Dabei werden den Patienten unter ärztlicher Kontrolle (!) über meist drei bis fünf Jahre hinweg die für sie problematischen Allergene in steigender Dosis unter die Haut gespritzt oder unter die Zunge geträufelt – mit dem Ziel, ihr Immunsystem daran zu gewöhnen bzw. dagegen unempfindlich zu machen.

Generell ist es sinnvoll, bei einer Pollenallergie bereits frühzeitig an diese Therapiemöglichkeit zu denken, da die SIT auch einer Ausweitung der Allergie und einem möglichen „Etagenwechsel“ entgegenwirkt.
Egal, ob eine Pollenallergie bei Ihnen bereits bestätigt oder aufgrund Ihrer Beschwerden nicht auszuschließen ist: Lassen Sie sich von ärztlichen Spezialisten dazu beraten!