Magen-OP gegen Übergewicht – und Diabetes

Magen-OP gegen Übergewicht – und Diabetes

Runter mit den Pfunden – weg von der Insulinspritze: Operationen gegen krankhaftes Übergewicht können im Idealfall auch einen Diabetes (Typ 2) verschwinden lassen. Darauf weisen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen hin. Allerdings sind solche Eingriffe nicht banal und sollten gut überlegt sein. Geprüft wird derzeit, inwieweit eine Magenoperation auch weniger schwergewichtigen Zuckerkranken helfen könnte.

Starkes oder gar extremes Übergewicht ist ungesund – und bleibt selten allein. So geht es vielfach einher mit weiteren Risikofaktoren, die krank machen und das Leben verkürzen können: Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Diabetes Typ 2. Die meisten Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig, rund 40 Prozent von ihnen spritzen Insulin.

Übergewicht beginnt gemäß Definition der Weltgesundheitsorganisation bei einem Body Mass Index von 25 kg/m2 (BMI, Quotient aus Körpergewicht und Quadrat der Körpergröße). Ab einem BMI von 30 spricht man von starkem Übergewicht (Adipositas, Fettleibigkeit), ab einem BMI von 35 liegt extreme Fettleibigkeit vor.

Geringere Nahrungsaufnahme durch kleineren Magen

Sind alle Bemühungen fehlgeschlagen, sich mit Diät und mehr Bewegung von seiner Fettleibigkeit zu befreien, kann nach intensiver Beratung eine Magenoperation in Frage kommen. Weitere Voraussetzung ist in der Regel ein BMI von mindestens 35. Zu den gängigsten Operationsmethoden zählt der Magen-Bypass: Dabei wird der größere Teil des Magens mit einer Naht stillgelegt und der kleinere unter Umgehung des Zwölffingerdarms direkt mit dem Dünndarm verbunden. Eine andere Methode ist die Verkleinerung des Magen zu einem „Schlauchmagen“. Resultat ist in beiden Fällen eine geringere Nahrungsaufnahme.

Positive Studienergebnisse bei extrem Übergewichtigen

Wie eine Langzeitstudie schwedischer Mediziner über zwei Jahrzehnte ergab, hilft ein solcher Eingriff extrem Übergewichtigen, dauerhaft abzunehmen – in den ersten zehn Jahren verloren die mehr als 2000 operierten Studienteilnehmer im Schnitt 19,2 kg. Gleichzeitig wurden andere Risikofaktoren günstig beeinflusst. Überraschend dabei war jedoch, dass ein zuvor bestehender Diabetes schon wenige Tage nach der Operation verschwunden oder zumindest gebessert war – lange bevor die Pfunde purzelten. Daraus schlossen die Forscher, dass sich die Magenoperation auch unabhängig von einer Gewichtsabnahme günstig auf einen Diabetes auswirkt. Dieser Effekt wird unter anderem mit der Wechselwirkung verschiedener Hormone erklärt, der genaue Wirkmechanismus ist bislang jedoch noch nicht bekannt.

Die positiven Effekte einer Magenoperation bei schwer übergewichtigen Diabetikern zeigen auch zwei in diesem Jahr im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studien aus den USA und Italien: In beiden Untersuchungen senkte der operative Eingriff die Langzeit-Blutzuckerwerte besser als eine medikamentöse Therapie. In der italienischen Studie hatten zwei Jahre nach dem Eingriff noch 75 Prozent der Operierten einen normalen Blutzuckerstoffwechsel.

Für normalgewichtige Diabetiker fehlen Langzeiterfahrungen

Auch Diabetiker mit wenig oder keinem Übergewicht können offenbar von einer Magenbypass-OP profitieren. So ergab eine zweijährige Studie mit 20 auf diese Weise operierten Patienten an der Universität Heidelberg, dass alle ihren Insulinbedarf um mindestens die Hälfte reduzieren konnten und 70 Prozent nach einem halben Jahr sogar vom Diabetes befreit waren. Dennoch raten die Experten normal- oder nur leicht übergewichtigen Diabetikern davon ab, sich außerhalb klinischer Studien einer Magenbypass-Operation zu unterziehen. Denn es liegen für diese Patientengruppe noch keine Langzeiterfahrungen vor. Nun startete unter Federführung der Heidelberger Klinik eine bundesweite Studie, bei der geprüft wird, ob Operierte langfristig besser, komplikationsärmer und besser leben als Patienten mit einer Insulintherapie.

Zu bedenken ist prinzipiell, dass die Magenbypass-Operation einen erheblichen Eingriff in den natürlichen Ablauf der Verdauung darstellt, der verschiedene Mangelerscheinungen (z.B. bei Vitaminen) und Komplikationen zur Folge haben kann. Sie erfordert deshalb eine intensive ernährungsmedizinische Beratung und langfristige internistische Betreuung. Für extrem übergewichtige Menschen – ob Diabetiker oder nicht – dürfte die Magenchirurgie aber durchaus eine überlegenswerte Option sein, wenn alle anderen Versuche der Gewichtsabnahme auf Dauer erfolglos geblieben sind.